Wie gebildete Frauen eine ganze Gesellschaft verändern können

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von Jenny Havemann

Die Vereinbarkeit von Religion und der modernen Lebensweise stehen immer wieder im scheinbaren Konflikt, dabei ist das Judentum eine Religion, die sich stets modernisiert. Es gibt auch etliche Auslegungen, sogar im orthodoxen Raum. Für unsere Familie war klar, wir wollen orthodox und gleichzeitig modern leben. Das heisst, die jüdischen Gesetze einhalten, Tora lernen und unseren Kindern weitergeben, aber sich auch nicht von der anderen Welt abschotten, sondern ein Teil von ihr zu sein. Das bedeutet unter Anderem, dass ich mir meinen Beruf frei auswählen darf, dass mein Mann etwa die Hälfte der Familienverpflichtungen übernimmt, dass wir ins Kino gehen und uns modern kleiden.

Es gibt aber auch eine kleine Gruppe der orthodoxen Gemeinde, die nicht nur die jüdischen Gesetze streng auslebt, sondern sich auch von ihren jeweiligen Rabbinern eigen Gesetze auferlegen lässt. Zum Beispiel erscheint es mir, dass die traditionellen Kleidungsvorschriften der Haredim (Strenggläubige) ihnen wichtiger sind, als etwa ihren Mitmenschen zu helfen. Letzteres ist mir wichtiger als die Tatsache, dass mein Rock bis zum Knie geht und nicht bis zum Boden.

Berufsausbildung ist auch ein wichtiger Grundsatz im Judentum. Die Tora sagt ganz klar, dass der Mann nicht nur Tora lernen soll, sondern auch seine Familie ernähren muss. Das ist zu vielen Haredim offenbar noch nicht durchgedrungen.

Neulich stiess ich auf einen tollen Beitrag von Lissy Kaufmann über die neue Frauenbewegung im Ultra-orthodoxen Milieu. Lissy erzählt von Frauen, die erfolgreiche Firmengründerinnen sind und ein Computer Kollege besuchen in der wohl religiösesten Gegend in Israel. Was mich am meisten fasziniert hat ist die Tatsache, dass durch diese beruflichen Erfolge in der Start-up Szene, die Frauen in ihren Familien sich eine ganz neue Stellung erkämpft haben. Und das hat viele haredische Männer wiederum dazu bewegt, sich auch in ein Computer Kollege einzuschreiben. Das zeigt mal wieder deutlich, wie wichtig Frauenbildung ist. Diese Frauen verändern ihre Gesellschaft und ich hoffe, dass dieser Trend zunimmt.

Hier der Link zum Radio Beitrag von Lissy Kaufmann:

http://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/lebenszeichen/ultraorthodoxe-frauen-100.html

 

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